8. Juni 2026 – Der Erhebung „Generative KI in der Hochschulkommunikation“[1] des Instituts für Hochschulforschung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg verdanken wir seltene und aktuelle Daten zur Nutzung von KI-Tools in der Wissenschaftskommunikation. Immerhin 64 leitende Kommunikator:innen an öffentlichen, privaten und kirchlichen Hochschulen in Deutschland gaben Einsicht in den status quo der Arbeit ihrer Teams. Die Autoren der Studie berichten, dass KI-Tools immer häufiger für spezifische Aufgaben und als assistierende Technologien eingesetzt werden: Tools zur Texterstellung, Übersetzung, Sprachkorrektur und -verbesserung, gefolgt von solchen zur Auswertung von Dokumenten, Bilderzeugung und Transkription von Audio und Video.
Die Kommunikator:innen verfolgen das Ziel, bestehende Arbeiten schneller und mit weniger Ressourcen zu leisten. Die Nutzung von Tools zur Automatisierung von mehrschrittigen Arbeitsabläufen und von KI-Agenten liegen weit zurück. Mustern der Einführung von Innovationen entsprechend, wird generative KI zum Zeitpunkt der Befragung kaum oder gar nicht zur Analyse von Zielgruppen, zur Kommunikationszieldefinition, zur Analyse von Kommunikationswirkungen oder zur Kommunikationsplanung angewandt. Die Befragten nennen vorrangig Datenschutzbedenken, Sorge um Faktentreue und Verlässlichkeit sowie ethische Bedenken, die einer breiteren Anwendung von KI-Tools im Weg stehen. Professioneller Wille, authentische Inhalte guter Qualität originär und kreativ zu erarbeiten, fehlende interne Guidelines gepaart mit unzureichenden Budgets sind weitere gute Gründe dafür, dass Kommunikator:innen zögern, aktuelle KI-Tools einzusetzen.
Strategischer Kontext, um Wirkung zu entfalten
Die Autoren der Studie kommen zum Schluss, dass ein „Übergang von einer experimentellen Phase (2023) über eine pragmatische Konsolidierung (2024) hin zu einer strukturellen Verankerung generativer KI in der deutschen Hochschulkommunikation“ stattfindet. Dies ist, wenn auch aus der Vogelperspektive auf eine vielfältige und heterogene Wissenschaftskommunikation der mehr als 400 Hochschulen in Deutschland, sicher zutreffend. Die strukturelle Verankerung ist eine technische, organisatorische und strategische Herausforderung. Sie wird am besten nicht in den Kommunikationsabteilungen allein, sondern übergreifend und in enger Zusammenarbeit mit den Institutsleitungen, den IT-Teams und den weiteren Funktionen in lehrenden und forschenden Organisationen angegangen, die ebenfalls von integrierten und konsistent verwendeten KI-Tools profitieren oder deren Expertise und Buy-in wichtig ist. Kommunikationsteams haben aber immer noch die Chance, die Treiber dieser Innovation für ihre Organisationen zu sein. Hohe interne Erwartungen, aber auch die Faszination, die von KI-Tools für Nutzer und Zielgruppen ausgehen kann, führen meist zum inselartigen oder individuellen Einsatz, dessen Nützlichkeit begrenzt bleibt.
Besonders wenn die Zeit drängt, hilft ein Schritt zurück zur Strategie der Institution, von der sich die Kommunikationsstrategie im Allgemeinen und die Strategie zur Verwendung von generativer KI in der Kommunikation im Speziellen. Sie gibt rahmt die Wahl, die Nutzung und Beherrschung von KI-Tools für die jeweilige Organisation, abhängig von deren Zielen, Organisation und Workflows, Kompetenzen und Ressourcen. Wenn Arbeiten auf technischer, organisatorischer und strategischer Ebene parallel stattfinden, sollten sich diese vorrangig an den etablierten oder erarbeiteten strategischen Richtungen orientieren, um erfolgreich zu sein. Dieser Prozess kann von Kommunikator:innen moderiert und vorangetrieben werden, die dafür prädestiniert sind, weil sie meist generalistisch, in organisationsübergreifenden Workflows und zielgruppenorientiert arbeiten. Diese Orientierung an der Strategie hilft, KI-gestützte Kommunikation wie jede Art von Kommunikation für die Organisation effektiver und effizienter zu machen.
[1] Justus Henke und Matthias Begenat, Generative KI in der Hochschulkommunikation, 135, Ergebnisse der 3. Welle – 2025, https://hof.uni-halle.de/publikation/ki-in-der-hochschulkommunikation-2025/ (zugegriffen am 12. Mai 2026)